Küchenleiter Marcel Ritter mit seinem einstigen Praktikanten und neuen Mitarbeiter Michael R. Foto: Brockmeyer, LWL, Informationen zu Creative Commons (CC) Lizenzen, für Pressemeldungen ist der Herausgeber verantwortlich, die Quelle ist der Herausgeber
Vom Patienten zum Mitarbeiter – im LWL Klinikum Gütersloh fand Michael R. den beruflichen Wiedereinstieg
#Gütersloh, 13. Februar 2025
Michael R. ist #Koch in der #Küche im »Klinikum Gütersloh« des »Landschaftsverbandes Westfalen Lippe (#LWL)«. Durch ein Praktikum in der »Bernhard #Salzmann #Klinik«, die zum »LWL Klinikum« gehört, fand er trotz langjähriger Suchterkrankung den beruflichen Wiedereinstieg in das Team von Küchenchef Marcel Ritter und startete im Spätsommer 2024 in der #Klinikküche.
»Hauptsache knallt« – so beschreibt Michael R. sein Trinkverhalten während seiner hoch aktiven Phase. Seit gut 13 Monaten ist der 39 Jährige trocken. 2 bis 3 Flaschen #Doppelkorn trank er jeden Tag, wobei er 2 #Flaschen nach eigenen Angaben für den täglichen »Normalzustand« brauchte. »Die #Alkoholsucht begann vor 7 bis 8 Jahren. Meine Mutter erkrankte an #ALS, also #Muskelschwund, und ich hatte viel um die Ohren mit ihrer #Pflege, meiner #Arbeit und der #Familie«, erzählt er. Es war ein schleichender Prozess, erst war es hin und wieder ein Flachmann, dann wurde es mehr. »Alkohol hat mir geholfen, konzentriert zu bleiben, alles zu bewältigen. Er hat manches einfacher gemacht, bevor er alles schwerer machte.«
Nach rund 4 Jahren Suchtgeschichte setzte seine Frau ihm ein Ultimatum. Michael R. begab sich für einen Monat zur Entgiftung in die »LWL Klinik Paderborn«, 6 Monate #Reha Maßnahme folgten. In der Adaption der »Bernhard Salzmann Klinik« in Gütersloh, eine Art Eingewöhnungsphase ins Alltagsleben, verbrachte er anschließend drei Monate, in denen er sich selbst versorgen musste, aber engmaschig auf Alkoholkonsum kontrolliert wurde. »Dort ist es wie unter einer Käseglocke man ist eigenverantwortlich, aber nicht alleingelassen und man bekommt immer Hilfe, wenn man sie braucht«, sagt er. In seiner Zeit in der Adaption absolvierte der gelernte Koch ein sechswöchiges Praktikum in der #Klinikküche. Dadurch bekam sein Alltag wieder Struktur, und auch Küchenchef Marcel Ritter ist von ihm begeistert: »Michael ist ein sehr engagierter Kollege und als ausgebildeter und erfahrener Koch eine wahre Bereicherung für unser Team.«
Im Anschluss an das Praktikum wurde er direkt als neuer Mitarbeiter in Vollzeit übernommen, wodurch sich auch seine Lebensqualität deutlich verbessert hat. "Früher habe ich getrunken, um arbeiten zu können. Heute arbeite ich, damit ich nicht trinke«, berichtet Michael R. mit einem Lächeln. In der Küche ist er zuständig für 1 von 3 täglich angebotenen #Mahlzeiten. Die Arbeit macht ihm Spaß, die Atmosphäre unter den Kollegen ist freundschaftlich. »Dass ich Alkoholiker, bin, wissen alle. Aber ich werde deswegen nicht anders behandelt, es spielt einfach keine Rolle und das finde ich sehr angenehm.«
»Niemand kann mir Alkohol verbieten …«
Den Umgang mit seiner Sucht musste Michael erst lernen. »Ich wollte funktionieren, allem gerecht werden und dachte, dass ohne mich alles zusammenbricht. Deswegen habe ich mir eingeredet, keine Zeit für eine Entgiftung und Reha zu haben und habe immer weiter getrunken.« Seit er trocken ist, hat er viel über sich und den Umgang mit Alkohol gelernt. Ein Schlüssel dazu, so sagt er, ist es, Alkohol nicht als Feind zu sehen oder mit Verboten zu behaften. »Niemand kann mir Alkohol verbieten und so ordne ich das auch nicht ein, denn ein Verbot macht es nur umso interessanter. Ich bin mir aber über die Konsequenzen bewusst, dass ich, sobald ich wieder trinke, alles verlieren würde, was ich mir bisher erarbeitet habe«, sagt der Wahlgütersloher und berichtet weiter: »Ich mache das für niemand anderen, sondern für mich, deswegen will ich nicht trinken.«
Mit Blick auf die Zukunft weiß Michael R.: »Ich werde immer ein Alkoholiker bleiben, auch wenn ich trocken bin. Aber ich fokussiere mich nicht darauf. Beim Einkaufen nehme ich die #Weinregale und #Schnapsregale wahr, aber es beschäftigt mich nicht. Es ist, als würde ich einem alten Nachbarn auf dem Hausflur begegnen: Man sagt sich ein kurzes ›Hallo‹ und jeder geht seiner Wege."
Zudem betont er, dass es wichtig ist, sich kleine Ziele zu stecken. »Ich sage mir jeden Abend ›Heute hast du wieder einen Tag nüchtern geschafft‹ und am Tag danach das Gleiche. Ich genieße die Abstinenz ganz bewusst und erfreue mich an der gesteigerten Lebensqualität. Dieses Jahr freue ich mich gemeinsam mit Familie und Freunden auf meinen 40. Geburtstag trocken anzustoßen!«
Stichwort: die #Adaption der »Bernhard Salzmann Klinik«
In der »Bernhard Salzmann Klinik« werden Menschen mit Suchterkrankungen multiprofessionell behandelt, sowohl stationär, als auch ambulant. Die Adaption schließt sich als weiterführende Reha Maßnahme an eine vorangegangene Sucht Reha an und bietet den Rehabilitandeb die Möglichkeit eigene Ziele, wie die Wiedereingliederung auf den Arbeitsmarkt, oder Festigung der Abstinenz weiter auszubauen.
Die Adaption verfügt über 10 Behandlungsplätze und setzt bei entsprechender Indikation eine stationäre medizinische Suchtrehabilitation fort. In der Gemeinschaft mit anderen Abhängigen üben die Betroffenen dort den Wiederaufbau eines abstinenten Lebens mit all den darin vorkommenden Herausforderungen: selbständiges Wohnen, Arbeiten, Freizeit und Kontaktgestaltung. »Da eine zufriedenstellende und sinnerfüllende Beschäftigung zu den machtvollsten Motivatoren gehört, eine Abstinenz auch in schweren Momenten aufrechtzuerhalten, liegt ein Schwerpunkt der therapeutischen Arbeit auf der Entwicklung einer beruflichen Perspektive, die wir über die Vermittlung in Praktika auf dem ersten Arbeitsmarkt vorbereiten möchten«, erklärt Dr. Christiane Rasmus, Chefärztin der »Bernhard Salzmann Klinik« und Fachärztin für #Psychiatrie und #Psychotherapie. »Die Gruppe schafft zudem Raum für die gemeinsame Klärung von Konflikten und Zukunftsängsten und ermöglicht das Erleben von Solidarität und Zusammenhalt.«
Auch Michael R. gelang es dank des erlernten Umgangs mit seiner Sucht und der täglichen Arbeit in der Klinikküche wieder neuen Lebensmut und Struktur in seinen Alltag zu bringen. »Ich arbeite jetzt dort, wo mir durch die Adaption geholfen wurde. Jeden Tag werde ich daran erinnert, warum ich hier war, und das tut mir gut«, resümiert er.
Veranstaltungen
nicht nur in Gütersloh und Umgebung
Februar 2027 | ||||||
---|---|---|---|---|---|---|
So | Mo | Di | Mi | Do | Fr | Sa |
1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | |
7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 |
14 | 15 | 16 | 17 | 18 | 19 | 20 |
21 | 22 | 23 | 24 | 25 | 26 | 27 |
28 |