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Rede des Präsidenten der DLG Hubertus Paetow anlässlich der DLG Wintertagung 2025 vom 18. bis zum 19. Februar 2025 in der Halle Münsterland in MünsterZoom Button

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Rede des Präsidenten der DLG Hubertus Paetow anlässlich der DLG Wintertagung 2025 vom 18. bis zum 19. Februar 2025 in der Halle Münsterland in Münster

Rede des Präsidenten der DLG Hubertus Paetow anlässlich der DLG Wintertagung 2025 vom 18. bis zum 19. Februar 2025 in der Halle Münsterland in Münster

  • Thema: Produktivität reloaded – Erträge wieder gefragt?

Frankfurt am Main, 18. Februar 2025 

[…] Meine sehr verehrten Damen und Herren […],

herzlich willkommen hier in #Münster, mitten in bewegten Zeiten und sozusagen am Vorabend einer Bundestagswahl, in einer Situation, die wir uns vor einem Jahr in Leipzig so nicht hätten vorstellen können.

Herzlich willkommen zu unserer #DLG Mitgliederversammlung auf der Wintertagung, bei der wir uns wie gewohnt offen und intensiv mit der Zukunft der #Landwirtschaft und #Ernährungswirtschaft beschäftigen wollen.

Dazu kommen hier in Münster heute und morgen über 700 interessierte DLGisten zusammen, und ich hoffe natürlich, dass das hier gewonnene Wissen bei jedem und jeder Einzelnen den Weg in die eigene und betriebliche Zukunft etwas erfolgreicher macht.

Nach den diversen Krisen der letzten Jahre, von #Corona über den russischen Angriffskrieg bis hin zur US Wahl, stehen wir heute nicht nur in einer Zeitenwende, sondern an einem handfesten, entscheidenden Wendepunkt im gesellschaftlichen Diskurs über unsere Zukunft in #Deutschland und #Europa.

Die politische Stimmung in Deutschland und der EU zeigte uns deutlich, dass ohne wirtschaftliche Stärke, ohne Wachstum und materielle Zufriedenheit der Menschen die politische Handlungsfähigkeit demokratischer Systeme schneller an ihre Grenzen stößt, als dies viele erwartet hatten.

Ökonomischer Fortschritt als Fundament nachhaltiger Entwicklung unterschätzt

Der Green Deal und die deutschen Pendants Energiewende und das vielbeschworene grüne Wirtschaftswunder sind an der wirtschaftlichen und globalen Realität gescheitert. Heute müssen wir feststellen, dass wir alle zusammen die Bedeutung des ökonomischen Fortschritts als Fundament einer nachhaltigen Entwicklung unterschätzt haben.

#Nachhaltigkeit gibt es nicht zum Nulltarif, den Spielraum für Investitionen in eine nachhaltige Zukunft muss man sich als Gesellschaft erarbeiten.

Und da sieht es in Deutschland nicht gut aus, wie wir an der aktuellen Rezession sehen. Im Gegensatz zu anderen EU Ländern ist es uns in Deutschland nicht gelungen, nach der Corona Pandemie wieder auf einen stabilen Wachstumspfad zurückzukehren.

Wirtschaftlicher Wohlstand ist tragende Säule unserer demokratischen Grundordnung

Dabei brauchen gerade wir in Deutschland ein stabiles Wirtschaftswachstum. Wir haben hohe Ansprüche an soziale und ökologische Fortschritte. Diese Ansprüche verursachen Kosten, die über Wachstum und Rendite finanziert werden müssen – und nicht aus Schulden.

Wirtschaftlicher Wohlstand ist ein Garant des gesellschaftlichen Zusammenhalts und eine tragende Säule unserer demokratischen Grundordnung.

Das heißt nicht, dass ab jetzt ausschließlich ökonomisches Wachstum zählt. Produktivitätsfortschritt ist in der Vergangenheit vor allem dadurch gelungen, dass auch soziale Fortschritte ihrerseits wieder zu höherer Produktivität geführt haben. Verbesserung bei der Absicherung bei Alter und Krankheit, Bildungsgerechtigkeit oder auch gelungene Integration von Zuwanderern sind soziale Investitionen, die sich langfristig auch in stabil höherer Arbeitsproduktivität niederschlagen. 

Mit diesem Modell sind wir in Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten sehr gut gefahren – solange die Politik dafür gesorgt hat, dass eben nur ein Teil des Wachstums für Projekte zur Verbesserung des sozialen Ausgleiches verwendet wurden, und dass diese Projekte möglichst keine negativen Auswirkungen auf die Produktivität hatten. So blieb immer noch ein Teil der Fortschrittsrendite für Investitionen in Kapazitätsaufbau in der Produktion. 

Diese Situation hat sich mit den steigenden Ansprüchen an die ökologische Nachhaltigkeit verändert.

Noch im März 2023 sagte Bundeskanzler Olaf Scholz: »Wegen der hohen Investitionen in den #Klimaschutz wird Deutschland für einige Zeit Wachstumsraten erzielen können, wie zuletzt in den 1950er und 1960er Jahren.« Der Denkfehler in dieser Aussage liegt darin, dass die Klimaschutzinvestitionen zwar die ökologische, aber eben zumindest kurzfristig nicht die ökonomische Produktivität verbessern – und damit eben kein Wachstum generieren, wie das die Verbesserungen in den Sozialsystemen in der Vergangenheit getan haben.

Dazu gesellt sich die 2. Fehleinschätzung, nämlich die Auswirkung unserer ökologischen Fortschritte auf unsere globale Wettbewerbsfähigkeit.

»Europa ist Vorreiter bei sauberer Technologie und wird andere Staaten motivieren, diesen Weg mitzugehen und darüber hinaus durch den Export dieser Technologien an Wettbewerbsfähigkeit gewinnen.« Das war die Idee des #Green Deal#.

Spätestens seit dem Austritt der USA aus dem Pariser Klimaabkommen ist klar, dass dies ein folgenschwerer Irrtum war. Weder China noch die USA folgen uns auf unserem Weg der verzichtsorientierten ökologischen Transformation. Und damit stehen wir mit unserer Auffassung von ökologischen Standards allein und fallen im globalen Wettbewerb zurück, wenn wir nicht auf der anderen Seite unsere Wirtschaft so produktiv aufstellen, dass wir trotz Klimaschutz und Ressourcenschutz im internationalen Wettbewerb bestehen.

#Spot #Spraying als ressourcenschonende und ertragsstabilisierende Innovation

Und es gibt sie ja, die Innovationen, die Ressourcen schonen, ohne die Erzeugung über Gebühr zu behindern. Spot Spraying kann 70 Prozent Pflanzenschutzmittel einsparen – und das ohne die Ertragseinbußen, die eine ungezielte Einschränkung im Pflanzenschutz mit sich bringt. Nachhaltige Produktivitätssteigerung statt Nachhaltigkeit durch Produktivitätsverzicht, das ist die Antwort auf die aktuellen Herausforderungen. Am Ende bestimmt also die Geschwindigkeit des technischen und ökonomischen Fortschritts über die Geschwindigkeit, in der wir den Fortschritt im sozialen Ausgleich und auch den Fortschritt beim Schutz von Klima und Arten vorantreiben können.

Nun könnte man meinen, wir begraben das verhasste Projekt der ökologischen Transformation einfach und besinnen uns auf unsere Stärken, und dann kommen wir schon zurecht, trotz Trump, und auch ohne Putins Gas.

Aber auch das ist ein Trugschluss.

Denn ohne #Artenschutz und Anpassung an die Folgen des Klimawandels wird es nicht gehen – dazu sind diese Herausforderungen zu deutlich erwiesen, auch wenn wir heute bei der Biodiversität noch nicht viel davon bemerken. Und es ist besser, sich jetzt mit dem Projekt Klimaneutralität zu beschäftigen. Wie wir es nicht machen sollten, zeigen die Stickstoffemissionen. Hier haben wir mit dem Gegensteuern bis 5 nach 12 gewartet und herausgekommen ist die unsägliche Düngegesetzgebung, die kaum vernünftig zu handhaben ist.

Das Ziel der Klimaneutralität steht fest und es ist nicht zu erwarten, dass wir den USA folgen werden und aus dem Klimaabkommen austreten werden. Also müssen wir als Betriebe die gegebene, erwünschte Planungssicherheit nutzen. Spätestens in 20 Jahren gilt Netto null, und wer sich nicht angepasst hat und weiter emittiert, wird viel bezahlen müssen. 

Wir brauchen, um den Fortschritt in die richtige Richtung zu lenken, eine erneute Erweiterung des Produktivitätsbegriffes. So, wie wir die soziale Absicherung über die vergleichbare gleichmäßige Belastung der Faktoren Arbeit und Kapital in die Produktivitätsberechnung integriert haben, müssen wir es jetzt mit der Nutzung ökologischer Ressourcen tun. 

Nicht zuerst über Steuern und Vorschriften, sondern über die Anwendung des Kriteriums nachhaltiger Produktivitätssteigerung auf die Auswahl möglicher Innovationen.

Inanspruchnahme natürlicher Ressourcen fester Bestandteil der Produktivitätsdefinition

In den Nenner der Produktivitätsdefinition gehören eben nicht nur Boden, Arbeit und Kapital, sondern auch die Inanspruchnahme natürlicher Ressourcen wie #Klima und #Artenvielfalt und auch das #Tierwohl. Aber im Zähler steht nach wie vor das erzeugte Produkt, und das braucht es auch weiterhin.

Damit dieser Schritt zur nachhaltigen Produktivitätssteigerung gelingt, müssen die Auswirkungen der Produktionsverfahren auf die Ressourcen quantifiziert werden. Nur was gemessen ist, kann gesteuert werden. Das ist bei den Emissionen von Treibhausgasen oder auch den Nährstoffüberschüssen gut erforscht und praktikabel möglich. Beim Biodiversitätsverlust gelingt das bisher nicht – hier muss ein gesellschaftlicher Konsens gefunden werden. Artenschwund braucht ein ehrliches Preisschild, genauso wie die #CO2 Emission erst über Bepreisung und Quotierung zu einer steuerbaren Größe geworden ist.

Für uns in der Landwirtschaft und Ernährungswirtschaft heißt das zweierlei. Um diese Entwicklung voranzubringen, dürfen wir uns nicht auf irgendeine Zeitenwende in der #Politik verlassen. Der Paradigmenwechsel im Ernährungssystem muss von der Branche selbst in Gange gesetzt werden, nur dann wird er glaubwürdig.

Innovationen erbringen Beweis für nachhaltige Produktivitätssteigerung

Wir müssen selbst mit den von uns entwickelten Innovationen beweisen, dass das Konzept nachhaltiger Produktivitätssteigerung funktioniert, nämlich dass man sehr viel #Artenschutz und Klimaschutz betreiben kann, ohne dass es unangemessen Ertrag und Wettbewerbsfähigkeit kostet. Dann haben wir einen berechtigten Anspruch an die Politik und Gesellschaft, dass die dafür notwendigen Rahmenbedingungen auch gesetzt werden.

Nun ist es mit Innovationen in Deutschland und Europa aktuell so eine Sache.

In Europa steht zu häufig zu Beginn der Innovation erst einmal die Regulierung

In der letzten Woche fand #in Paris (warum eigentlich nicht in #Berlin oder# München?) ein Gipfel zu künstlicher Intelligenz statt, mit dem verhindert werden soll, dass Europa bei diesem Zukunftsthema endgültig von den #USA und #China abgehängt wird. Denn der einzige Bereich, bei dem uns auch in der KI keiner etwas vormacht, ist die Regulierung. Der AI Act der EU vom August letzten Jahres zeigt es einmal mehr: In Europa steht am Anfang der Innovation erst einmal die Regulierung. Und nur allzu häufig ist dies dann auch schon das Ende der europäischen Beteiligung am globalen Fortschritt – den treiben dann diejenigen voran, die im Fortschritt nicht zuallererst die Gefahr sehen.

Mit unserem heutigen Verständnis von Fortschritt und Risiko wird es mit der nachhaltigen Produktivitätssteigerung nichts werden.

Und wenn der Staat schon regelnd eingreifen muss, dann bitte mit den effizientesten Instrumenten mit dem größten Nutzen für Umwelt und Natur, der geringsten Beeinträchtigung der ökonomischen Produktivität und mit größtmöglich verantwortbarem maximalem Freiraum für das unternehmerische Handeln. 

Wir haben mit dem europäischen Emissionshandel ein gut funktionierendes marktwirtschaftliches Steuerungssystem für die Treibhausgasemissionen – wozu muss man dann noch per Gesetz im Heizungskeller tätig werden? Das tun die Bürger schon ganz von allein, wenn das #Heizöl teurer und der #Strom billiger wird. 

Landwirtschaft verfügt über positive Geschäftsmodelle für Klimaschutz und Artenvielfalt

Und auch die Landwirtschaft kann am besten zum Klima und Artenschutz beitragen, wenn sie vernünftig in den Emissionshandel einbezogen und Artenvielfalt zielorientiert und messbar gefördert wird. 

Denn im Gegensatz zu vielen anderen Branchen haben wir dafür sogar positive Geschäftsmodelle – ganz im Sinne einer nachhaltigen Produktivitätssteigerung. 

Liebe DLG Mitglieder, ja, wir stehen an einem Wendepunkt des Fortschritts.

Wie schon so häufig in der Geschichte, ändert sich ein Paradigma, geübte Denk und Diskussionsmuster funktionieren nicht mehr wie gewohnt. Ein Rückfall ins Gestrige, ein Rollback, hat in solchen Situationen noch nie geholfen. Gestalten wir selbst das neue Paradigma, ob wir das jetzt nachhaltige Produktivitätssteigerung nennen oder eben anders, aber lassen Sie uns zusammen die Zeit nutzen, in der wir endlich einmal nicht politisch unter Druck stehen. Was wir heute in den Netzwerken und auf den Betrieben gemeinsam mit Wissenschaft und Industrie entwickeln, wird uns morgen helfen, einer Gesellschaft unser Verständnis von nachhaltiger Produktivitätssteigerung erfolgreich zu vermitteln und unsere Branche und unsere Betriebe in eine nachhaltig produktive und damit erfolgreiche Zukunft zu führen.

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